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24. November 2020

Robert Jackson Bennett: Der Schlüssel der Magie, Band 1: Die Diebin


Übersetzt von Ruggero Leò

605 Seiten

Paperback

ISBN: 978-3-7341-6266-4

Erschienen: 19.10.2020




Gleich mit der ersten Seite wird man ins Geschehen gezogen, denn ohne große Einleitung begleitet man Sancia bei einem gefährlichen Auftrag. Tatsächlich hat mich bereits auf den ersten Seiten eine gewisse Spannung oder auch lauernde Erwartung gepackt, ausgelöst durch den hervorragenden Schreibstil und weil dem Leser nur das Nötigste erzählt wird, sodass man sich sehr gut auf die Handlung konzentrieren und diese genießen kann.

Bleiben wir erstmal beim Erzählstil, denn diesen finde ich klasse! Allem voran die Konversationen, die haben mich richtig gepackt, weil sie sooo verdammt echt und lebendig und flüssig sind! Da macht das Lesen gleich viel mehr Spaß.

Ebenso überzeugten mich die Charaktere, auch wenn man an ein paar der Nebenfiguren noch etwas feilen könnte. Mit der Protagonistin Sancia kam ich sehr gut zurecht. Vielleicht kann man einige Momente von ihr als etwas emotionslos betrachten, doch in meinen Augen passt das gut zu ihrer Persönlichkeit. Und von einem Charakter bin ich total begeistert - humorvoll/sarkastisch, weise, ein guter Freund. Aus Spoilergründen kann ich leider nichts weiter dazu schreiben, doch ihr werdet bestimmt positiv überrascht sein!

Die Handlung gefällt mir von vorne bis hinten, denn sie ist rasant, glaubwürdig, spannend und einige krasse Wendungen sind auch anzutreffen!

Jetzt aber zu dem Punkt, über den ich schon die ganze Zeit schreiben möchte: Die Magie! Ich liebe diese! Was mir total zusagt, ist wie Magie und Wissenschaft Hand in Hand gehen. Einfach Genial! Manchmal sowas von unterhaltsam und lustig und dann auf einmal versteht man nicht jeden Satz und wünscht sich, im Physikunterricht besser aufgepasst zu haben.
Daher kann man die Geschichte nicht problemlos einem Genre zuordnen, sie ist eher ein Mischung aus mehreren, was mir erneut richtig gut gefällt.

Nicht nur das Magiesystem, sondern auch das Worldbuilding insgesamt ist grandios gelungen. Die einzelnen Stadtviertel, die Wasserwacht, die Handelshäuser, Historische Ereignisse.. Eine Welt, mit der man als Autor wie auch Leser gut arbeiten kann. Interessant, neugierig machend und spannend aufgebaut und wie so oft erfährt man einiges, aber nicht alles. (Wann kommt Band zwei?)

Wie bei vielen Fantasybüchern gibt es auch hier blutige, gewalttätige und erotische Szenen, diese halten sich aber meistens am Rand auf und verdeutlichen damit die schreckliche Welt, in der die Figuren leben (müssen). Manche von ihnen haben einiges durchmachen müssen und dem Autor ist es auf jeden Fall gelungen, dass man die Perspektive und das Handeln der Charaktere verstehen kann.

Ich bin gerade wirklich am überlegen, ob es etwas gibt, dass mir nicht gefallen hat.. doch abgesehen von ein paar nicht ganz so starken Nebenfiguren fällt mir nichts ein.

Der Auftakt der Trilogie (=yayy es kommen noch zwei weitere Bände!) ließ mich während des Lesens nicht los und hat mir hervorragend gefallen. Damit reiht es sich easy bei meinen Jahreshighlights ein! 5/5 Sterne

2. September 2020

Shaun Hamill: Das Haus der finsteren Träume


Übersetzt von Jürgen Langowski


457 Seiten

Taschenbuch

ISBN: 978-3-453-31995-0

Erschienen: 13.07.2020


Quelle: www.randomhouse.de


Shaun Hamill nennt seinen Debütroman in der Danksagung einen "Hybrid aus mehreren Genren", und das trifft es sehr gut. Man findet Fantasy, ein paar Gruselaspekte (Horror ist es für mich nicht), ebenso mystische und romantische/ erotische Elemente und evtl. kann man zu manchen Szenen 'Psychothriller' sagen.. Sehr cool fand ich all die Erwähnungen zu H.P. Lovecraft und Stephen King, man merkt, dass Hamill zu diesen Schriftstellern aufsieht.

Wir begleiten die Familie Turner etwa ein halbes Jahrhundert lang und lernen so die Familienmitglieder in unterschiedlichen Abschnitten ihres Lebens kennen. Dennoch wird die Geschichte größtenteils aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur erzählt, was mir sehr gut gefallen hat. Somit gibt es hier und da ein wenig foreshadowing, also dass es Andeutungen bzgl. der Zukunft gibt. Das hebt aus meiner Sicht die Spannung an und lässt einen schnell neugierig werden und zu rätseln beginnen. Tatsächlich wurde ich auch geschickt auf eine falsche Fährte gelockt!

Die Atmosphäre ist oft drückend, geheimnisvoll, mystisch und lauernd, was vor allem sehr gut durch den Schreibstil hervorgerufen und gehalten wird und dieser gefällt mir richtig gut! Sehr flüssig zu lesen. Für viele schwierige Szenen werden die richtigen Worte (natürlich angepasst an die Charaktere) gefunden, wodurch man noch tiefer in die Geschichte hineingezogen wird. Vieles wird sehr direkt beschrieben und nimmt dadurch den Leser schon ein wenig mit, denn, dies sei gesagt, das Buch bearbeitet viele harte Themen. Der Familie widerfährt über die Jahrzehnte alles schrecklich erdenkliche (ohne zu viel zu spoilern, keine Sorge): Von Krankheit, Armut und Arbeitslosigkeit über Verlust, Depressionen und Selbstmord. Diese Themen werden schonungslos, aber nicht übertrieben oder unrealistisch, dargestellt, was den Leser so auf unterschiedliche Weise fesselt und beschäftigt.

Nicht nur einzelne Szenen und der Schreibstil sind überzeugend, auch den Charakteren wurde viel Leben eingehaucht, sodass sie mich alle überzeugen konnten. Allein schon Harrys Faszination für seine Horrorbücher ist dem Autor super gelungen! Die Familienmitglieder wirken so real auf mich, ebenso wie diverse Nebenfiguren wie Nachbarn, Freunde etc. Echt klasse! Nur einzig mit dem 6-jährigen Noah hatte ich kleine Schwierigkeiten, weil er mir manchmal für sein Alter zu erwachsen vorkam. Jedoch muss ich zugeben, es gibt wirklich solche Kinder, die früh eins und eins zusammenzählen und bestimmten Gedankengängen folgen können. Außerdem stört sein Verhalten nicht der Handlung, es trifft eher das Gegenteil zu.

Die Abfolge der Handlungen ist gut durchdacht und einzelne Szenen haben mich packen können, dennoch konnte mich die Handlung im Gesamtbild nicht richtig fesseln. Ich hatte keine Langeweile, doch echte Spannung tauchte nur hier und da auf und gruselig/ unheimlich wurde mir nie.. Der Anfang zog sich, denn die Einleitung nimmt fast die gesamte erste Hälfte des Buches ein. So fühlte es sich für mich jedenfalls an. Allerdings hat die Vorgeschichte wirklich einen sehr großen Umfang, den man auch wirklich braucht, um den Rest zu verstehen. Für mich war die Mitte des Buches der beste und spannendste Teil, bevor mich dann nach einem etwas enttäuschenden Abschnitt (ca Seite 300 bis 400) die letzten paar Seiten nochmal ziemlich an Tempo und Spannung gewannen. Das Ende passt gut zum Rest des Buches, auch wenn es mir etwas geschmerzt hat. Dabei hätte es sogar gerne schlimmer sein können, hätte der Geschichte ganz gut getan. Na ja, ich mag/liebe das Ende trotzdem so wie es ist.

Zum Worldbuilding: Die erschaffene Welt der Monster ist geheimnisvoll, kreativ und mystisch, doch hier und da hätte ich noch ein paar Fragen. Allerdings kann ich mir gleich eine Antwort dazu liefern, denn diverse Fakten zu den Monstern mit allem drum und dran spielen nur begrenzt eine wichtige Rolle, daher gibt der Autor auch nicht viel Auskunft.

Ich denke, in erster Linie dreht sich das Buch um die Menschen. Um das Erwachsen werden, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und einfach mal mutig sein oder bei etwas nicht so tollem die Zähne zusammenzubeißen und über sich selbst hinauszuwachsen. Was erwarte ich vom Leben, wie will ich leben, wer oder was hat Bedeutung für mich und, nun ja, wer bin ich eigentlich?

Das Haus der finsteren Träume wird mich sicherlich noch eine Weile beschäftigen, denn die Figuren sind mir teils sehr unter die Haut gegangen und die Botschaft(en) und Kommentare des Erzählers fand ich hervorragend! Die Handlung insgesamt konnte mich leider nicht ganz packen und überzeugen, weshalb das Werk 4/5 Sterne erhält!

12. Juni 2020

Holly Black: Elfenkrone (Band 1)

Übersetzt von Anne Brauner

Ab 14 Jahren

444 Seiten

Taschenbuch

ISBN: 978-3-570-31358-9

Erschienen: 11.05.2020
(Dt. Erstausgabe 19.11.2018)

Quelle: www.randomhouse.de


Bei stark gehypten Büchern bin ich immer etwas vorsichtig und versuche, meine Erwartungen möglichst gering zu halten. 'Elfenkrone' gehört in diese Kategorie und -zum Glück- ziemlich unwissend und neugierig begann ich zu lesen..

Wieder so ein Buch, in das ich quasi hineingesprungen bin, so leicht und flüssig war der Einstieg in die Handlung! Erzählstil von Anfang an mitreißend, sogar die Monologe gefielen mit richtig gut, taten dem Geschehen kein Abbruch und senkten auch nicht die Spannung. An zwei, drei Stellen hätte man etwas kürzen können, aber sonst alles top.

Jude finde ich klasse, mit all ihren guten und nicht so guten Charakterzügen. Und warum? Sie entspricht nicht der Mainstream-Protagonistin, sondern hat ein starkes Bewusstsein und geht ihren eigenen Weg. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein egoistischer Alleintrip, den sie da macht. Doch das ist gut so und passt auch zum gesamten Buch; der Handlung, den Charakteren usw. Zu Beginn empfand ich ihre Machtbesessenheit noch etwas kritisch, doch je besser ich Jude kennenlernte und ein Ereignis dem nächsten folgte passte es wie die Faust auf's Auge, noch mehr, es gefiel mir ausgezeichnet!
Die anderen Charaktere reißen einen ebenso mit, so vielschichtig und lebendig sind sie! So richtig Gut und Böse gibt es nicht, jeder hat irgendwie Dreck am Stecken und das macht die Handlung noch viel interessanter.

Vor allem, weil es am Anfang noch keinen roten Faden gibt. Ich z.B. habe die Story zu Beginn sehr genossen, denn man lernt die Figuren und ihren Alltag kennen, viele verschiedene Dinge passieren und man rätselt, wohin das alles führen mag. Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass man den ersten Teil etwas anders hätte gestalten können, denn der Rest des Buches verwandelt sich fast in das Gegenteil, so viel passiert. Aber psst, mehr verrate ich nicht, lest selbst!

Bereits zu Beginn habe ich einen Charakter sehr ins Herz geschlossen und emotionale Höhen und Tiefen konnte ich somit nicht mehr vermeiden. Das Buch zu beenden, insbesondere die letzten 100 Seiten, war echt krass und man bleibt mit gemischten Gefühlen sitzen. Doch das finde ich positiv, denn das Buch/Ende lässt einen nicht in Ruhe, man denkt auch später noch darüber nach und ich persönlich möchte mir am liebsten gleich Band 2 schnappen.

Judes Art zu denken und zu handeln gibt dem Leser auf jeden Fall einige Denkanstöße. Man kann nicht immer nur hoffen und warten, dass etwas bestimmtes passiert oder man etwas erhält, das man sich wünscht. Man muss arbeiten, Geduld zeigen, etc. und sich selber dabei fragen, wie viel bedeutet mir das Ziel, was bin ich bereit, dafür zu tun? Tatsächlich fällt mir hierzu das Zitat "Alles auf dieser Welt hat seinen Preis" aus 'Krabat' von Otfried Preußler ein. Jude will Macht, doch das kostet.. Wie weit wird sie gehen? Wie sieht es mit den Konsequenzen aus? Wie wird sie das emotional und psychisch verarbeiten?

Die erschaffene Welt mit ihren Namen und Eigenarten finde ich sehr gelungen, auch wenn das teilweise in den Hintergrund geschoben wurde und ich freue mich schon darauf, in den Folgebänden mehr zu erfahren! Sehr dankbar war ich für die Karte am Anfang des Buches, ohne die wäre manches nicht so glaubwürdig erschienen, weil ich zunächst nicht damit rechnete, dass die Insel so klein ist.

Alles in allem war es richtig, mit möglichst gesenkten Erwartungen an 'Elfenkrone' heranzugehen. Der Auftakt ist toll, keine Frage, aber hätte ich das nicht gemacht, wäre ich vermutlich etwas enttäuscht. Das Buch hätte weniger Seiten oder mehr Story bei gleicher Seitenzahl haben müssen, dann wäre es perfekt.

Ich kann 'Elfenkrone' klar weiterempfehlen, denn es ist ein Jugendbuch der etwas anderen Art, doch trotz der überragenden Charaktere werden es "nur" 4,5 / 5 Sterne. (jedoch aufgerundet für einige Websites 5/5 Sterne)

7. Juni 2020

Clive Cussler; Robin Burcell: Das graue Phantom


Die Fargo-Abenteuer Band 10

Übersetzt von Michael Kubiak

573 Seiten

Taschenbuch

ISBN: 978-3-7341-0780-1

Erschienen: 18.05.2020

Quelle: www.randomhouse.de


Oft bekomme ich dieses Genre nicht in die Hände, umso mehr freute ich mich auf diesen Band und meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt!
Es handelt sich um mein erstes Buch von Clive Cussler und ich kann bestätigen, dass man die Fargo-Romane unabhängig voneinander lesen kann.

Die Handlung packte mich schnell und Remi und Sam sind ein total sympathisches wie auch eingespieltes Team, denen ich gerne folgte. Insbesondere ihre Vertrautheit und wie sie sich wortlos verstehen ist echt umwerfend! Wer wünscht sich so etwas nicht. Ebenso gefällt es mir, dass dies zwar alles zum Vorschein kommt, ihre Liebesbeziehung aber nicht in den Mittelpunkt rückt.
Auch die anderen Figuren sind sehr gut dargestellt und überzeugen in voller Länge. Vor allem Isaac Bell fand ich sehr interessant und ich hätte gerne noch mehr von ihm gelesen.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in der Gegenwart, doch anhand kleiner Auszüge erfährt man, wie der Grey Ghost im Jahr 1906 gefunden worden war. Ich verschlang diese Rückblicke regelrecht, denn sie gaben dem Leser einerseits Antworten, doch andererseits kamen wieder neue Fragen auf. Besonders gut gefiel mir, wann diese Auszüge eingespielt wurden; gefühlt immer an der passenden Stelle in der Gegenwart und das angenehm gleichmäßig von Anfang bis Ende.

Gegenwart wie Vergangenheit hielten einige Wendungen und Überraschungen bereit, die mich durchweg an das Buch fesselten! Doch auch mit dem Schreibstil kam ich super klar und die Thematik Automobil ist toll integriert - und zudem liebe ich Autos, passte also.

Das Verbrechen wie auch die Gegenspieler sind glaubwürdig durchdacht, doch an der ein oder anderen Stelle hätte ich ein wenig mehr Tiefe erwartet. Dennoch fiebert man mit, was alles dahinter stecken mag und bei der Auflösung lag ich nur teils richtig; auf alles wäre ich nie im Leben gekommen, auch wenn es im Nachhinein so einfach klingt und einem plötzlich die ganzen versteckten Hinweise während des Buches einfallen.

Das Abenteuer wie auch die Charaktere packten mich von Anfang bis Ende, Langeweile oder langatmige Szenen gab es nicht. Sobald sich etwas Zeit findet, werde ich gerne wieder zu einem Fargo-Roman greifen!
'Das graue Phantom' erhält von mir 4,5 / 5 Sterne. (aufgerundet für einige Websites 5/5 Sterne)

15. Mai 2020

Stephen King: Die Leiche


Übersetzt von Harro Christensen

239 Seiten

Taschenbuch

ISBN: 978-3-453-44031-9

Erschienen 11.05.2020

Quelle: www.randomhouse.de




Mein erstes Stephen King Buch. Ich war sehr gespannt und die Erwartungen waren entsprechend hoch, doch ich kam voll auf meine Kosten!

Der erwachsene Gordon Lachance schreibt rückblickend sein Abenteuer mit den damals besten Freunden Chris, Teddy und Vern nieder.

Bereits auf den ersten Seiten wurde mir bewusst, wie lebendig und real die Figuren wirken. Gute ausgearbeitete Charaktere mit ihren entsprechenden Eigenschaften erschaffen Tiefe, Glaubwürdigkeit und Sympathie. Einen echten Menschen eben.
Doch auch der Erzählstil trägt eine Menge dazu bei. Stephen King weiß wirklich mit den Worten umzugehen, es hat mir richtig Freude bereitet, solch top ausgearbeitete Sätze, Redewendungen, Beschreibungen und Unterhaltungen zu lesen! Zunächst empfand ich zwar die übermäßige Verwendung von Schimpfwörtern als ungewohnt, doch mit der Zeit passte es einfach ins Bild.

Gordon "Gordie" erzählt zudem zwei Kurzgeschichten, bei denen man sich zunächst fragt, warum diese überhaupt erwähnt werden, doch sie vermitteln Botschaften, lassen viel Interpretationsraum und insbesondere die erste weist viele Parallelen auf.

Die Jungen erwecken zu Beginn den Eindruck, dass diese niemals von mir die Bezeichnung "bester Freund" zu hören bekommen werden, doch nach und nach schließt man sie ins Herz. Man kann gar nicht anders. Auch die Freundschaft zwischen ihnen ist sehr besonders, in erster Linie, weil sie so wahr ist. Man hält zusammen, doch bei Gelegenheit muss man den anderen ärgern. Denn so sind nun mal Kinder. Ich persönlich kann mich noch gut an so manches erinnern, als ich 11/12/13 Jahre alt war.. Und wo sind diese Freunde von damals heute? Man hört mal was voneinander, doch der Kontakt ist weg. Für jede Zeit gibt es Freunde und die Wenigsten bleiben an deiner Seite.

Auch Gewalt ist stark vertreten, sei es in Form, dass jemand verprügelt wird oder häusliche Gewalt durch Familienmitglieder. Bei diesen Szenen leidet man richtig mit, umso mehr, wenn man realisiert, dass es selten einen Ausweg gibt. Damals wie heute, im Buch wie im echten Leben.

Mittels einem Charakter wird die Ungerechtigkeit zwischen der höheren und niederen Schicht dargestellt, die wahrer nicht sein könnte und ebenso auf viele andere Aspekte der Menschheit übertragen werden kann. Wie fühlt man sich in einer solchen Situation? Wie geht man damit um?

Wo ich schon beim nächsten Punkt bin: Die Gespräche zwischen den Jungen wie auch ihre physischen und psychischen Reaktionen auf dieses und jenes sind verdammt gut dargestellt! Großes Lob! So viele Emotionen und so viel Wahrheit, die da drin stecken, rauben einem die Sprache - und den Atem. Dazu kommt natürlich auch die Liebe, die in ihren verschiedenen Formen erwähnt wird und teils bedeutend ihren Platz findet.

Es gibt im Verlauf des Buches eine große Anzahl an Vorausdeutungen (= Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung) und diese sind richtig gut eingebaut, lassen die Spannung kaum fallen, machen zudem immens neugierig und regen zum Denken und Grübeln an. Das Ende selber haut nochmal richtig rein, zwar in meinen Augen etwas übertrieben dargestellt (in Bezug auf die Schicksale), doch es trifft ins Schwarze! So wahr!

Im Klappentext findet man das Zitat "Es ist meine Story. Sie ist autobiografisch." von Stephen King. Ich bin mit der Biographie von ihm nicht allzu vertraut, dennoch sehe ich das ein oder andere, gewisse Parallelen mit der Hauptfigur, welche zu King passen könnten. 

Fazit:
Ich lauschte den Gesprächen der Jungen am Lagerfeuer, lief mit ihnen Seite an Seite die Gleise entlang und fühlte die Sterblichkeit am eigenen Körper. Ein grandioses Werk!

Ich kann diese Novelle wärmstens jedem empfehlen, ihr müsst sie unbedingt lesen! 'Die Leiche', auch bekannt unter dem Titel 'Herbst', zählt definitiv zu meinen Jahreshighlights! Natürlich 5/5 Sterne.

15. April 2020

Cassandra Clare: Die Geheimnisse des Schattenmarktes


Übersetzt von Franca Fritz und Heinrich Koop

640 Seiten

Hardcover

ISBN: 978-3-442-31512-3

Erschienen: 21.10.2019

Quelle: www.goldmann-verlag.de



Seit fünf Jahren lese und liebe ich die Bücher rund um die Schattenwelt, wenn auch manche mehr und manche weniger.

Das Buch beinhaltet zehn Erzählungen, chronologisch sortiert von 1899 bis 2013, in denen man die verschiedensten Charaktere trifft. Im Prinzip folgt man aber den Spuren von Bruder Zachariah / Jem Carstairs, welcher einem in jeder Geschichte begegnet.

'Ein langer Schatten' war nicht nur die erste, sondern auch die enttäuschendste Geschichte. Viel zu langatmig, Handlung ebenfalls eher flach und das Potenzial der Figuren wurde nicht annähernd ausgeschöpft. Man erfährt auch nur wenig über sie. Und dabei passiert hier was ziemlich erschütterndes.. echt schade! Die zweite Erzählung wird minimal besser, doch auch hier wurde ich nicht in den Bann gezogen. Alle anderen Erzählungen sind wesentlich besser (siehe unten), weiterlesen lohnt sich!

Eine der Geschichten spielt in London während des Zweiten Weltkrieges - und das fand ich richtig spannend und vor allem interessant! Mir gefiel der Einblick sehr gut, wie die Schattenwelter und -jäger mit dem Krieg der Irdischen umgegangen sind, wie sie darüber dachten und sich verhalten haben. Hätte dazu gerne noch mehr lesen können!

Die letzten drei Erzählungen spielen während und nach der Trilogie 'Die Dunklen Mächte', man sollte daher diese zuerst beenden, bevor man die Erzählungen anfängt. Insbesondere die letzten beiden Geschichten machen richtig neugierig und ich würde sooo gerne einfach weiterlesen und mehr erfahren, doch das wird leider noch ein paar Jahre (?) dauern.
Es kommt allerdings in der vorletzten Erzählung eine für mich sehr wichtige Frage auf, die sich auch jetzt, während ich die Rezension schreibe, nicht beantworten lässt, trotz Google, Instagram, Freunde & Co. Hat die Autorin hier einen kleinen Fehler gemacht? Wir werden sehen.. (Aus Spoilergründen gehe ich nicht näher darauf ein.)

Fakt ist, dass man von jeder einzelnen Erzählung etwas interessantes und informatives mitnimmt, sodass jede Geschichte als gute Ergänzung gewertet werden kann, wenn auch in unterschiedlicher Menge und Qualität.

Aufgrund der Vielzahl an Charakteren, die aufeinander treffen und es sich damit sehr beliebte und teils auch neue Figurenkonstellationen ergeben kommt jeder Fan irgendwo auf seine Kosten, weil eben alle bisherigen Generationen von Cassandra Clare vertreten sind.

Zum Schreibstil muss ich nicht viel berichten, dieser ist wie gewohnt berauschend flüssig, kräftig und wortgewandt!

Die Erzählungen rund um den Schattenmarkt überzeugten mich im Gesamtbild, es waren wirklich schöne und gut investierte Lesestunden!
Rechnerisch ist es eine 4,05 und demnach sind es 4/5 Sterne!

Im Folgenden eine kurze Bewertung für jede einzelne Erzählung:

Nr. 1 Ein langer Schatten: 2/5 Sterne - sehr langatmig; flache Handlung; Figuren leider schwach ausgebaut trotz hohem Potenzial; und dabei ist das Ereignis so erschütternd gewesen! Vielleicht so etwas nicht in eine Kurzgeschichte packen?

Nr. 2 Alles Erlesene dieser Welt: 3,5/5 Sterne - langatmig; Handlung flach; Figuren lebendiger als bei der vorherigen, aber trotzdem enttäuschend

Nr. 3 Verlust: 4/5 Sterne - Anfang etwas in die Länge gezogen, sonst sehr interessant und halbwegs spannend; neugierige Fragen kommen auf; Ende wunderschön und ans Herz gehend

Nr. 4 Eine tiefere Liebe: 5/5 Sterne - Handlung während des Zweiten Weltkrieges; lebhaft; ereignisreich

Nr. 5 Die Bösen: 5/5 Sterne - Valentin wird wieder einmal genial und faszinierend dargestellt; spannende und traurige Handlung

Nr. 6 Sohn der Dämmerung: 3,5/5 Sterne - Erste Begegnung der Lightwoods mit Jace Wayland; hat mich leider nicht ganz mitgerissen; Lily & Raphael & Bruder Zachariah glänzen

Nr. 7 Mein verlorenes Land: 5/5 Sterne - Spannend; unterhaltsam; die Seiten sind nur so geflogen; tolle Figurenkonstellation (bitte mehr von Lily & Alec!); ergreifende Handlung mit Tiefgang

Nr. 8 Durch Blut und Feuer: 3,5/5 Sterne - Erzählung war interessant, wenn auch viel Neues nicht dabei war; irgendwie anstrengend zu lesen... Ich wollte, dass mir diese Geschichte gefällt, dennoch hat sie mich leider nicht überzeugen können.

Nr. 9 Die verlorene Welt: 4,5/5 Sterne - Auf den Spuren von Ty und Kit; sehr tolle und unterhaltsame Story; es kommt allerdings kein Schattenmarkt vor; hier stellt sich auch die mysteriöse Frage, auf die ich bisher keine Antwort habe

Nr. 10 Gestürzt!: 4,5/5 Sterne - man verfolgt zwei voneinander unabhängige(?) Handlungen, beide auf ihre eigene Art und Weise sehr fesselnd; insbesondere die um Ash und Janus wirft eine Menge Fragen auf und lässt spannende sowie beunruhigende Vermutungen für die Zukunft aufstellen; allerdings beide etwas langatmig in manchen Szenen

25. Mai 2019

Christopher Paolini: Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia. Band 1: Eragon

Übersetzt von Michaela Link

Ab 14 Jahren

304 Seiten

Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-570-16581-2

Erschienen: 21.01.2019

Quelle: www.randomhouse.de


Aufgrund des großen Erfolges des Eragon-Zyklus, in den ich mich bereits auf den ersten paar Seiten verliebt hatte, waren meine Erwartungen an das neue Buch entsprechend hoch. Trotzdem bin ich versucht vorsichtig herangegangen, weil ich mich noch gut an den leider etwas schwachen vierten Band erinnere.

Rezension:

Es handelt sich um eine Sammlung von drei Kurzgeschichten aus Alagaësia, von denen eine vor und zwei nach dem Eragon-Zyklus spielen. Leider liest man von Eragon und Saphira nur wenig, dafür stehen jedoch Angela sowie eine weitere bekannte und zwei neue Figuren im Mittelpunkt.
Die Geschichte der Kräuterhexe empfand ich als sehr unterhaltsam und interessant und auch, wenn Paolinis Schwester diese geschrieben hat, kam ich mit dem Schreibstil gut zurecht und konnte mir entsprechende Stellen sehr bildhaft vorstellen.

Allerdings hat Christopher Paolini nach wie vor den Hang für ausschweifende Erzählungen, sodass Handlungen bis ins letzte Detail beschrieben werden und dadurch auf vielen Seiten nur wenig passiert. Dieser Punkt macht sich insbesondere in der dritten Kurzgeschichte bemerkbar. Von der Grundidee ausgehend finde ich diese sehr interessant und passend gewählt, jedoch ist sie deutlich zu lang geworden. Trotz super Beschreibungen wird einem an manchen Stellen langweilig und man denkt sich nur noch "Wann ist es zu Ende?". Halb so viele Seiten hätten ausgereicht.

Im Gegensatz dazu sind die anderen zwei Kurzgeschichten zu kurz geraten sowie recht vorhersehbar, sodass kaum Spannung möglich ist. Die Handlung ist flach geraten, da können die gut herausgearbeiteten Charaktere noch so sympathisch sein und glänzen. Insbesondere Kurzgeschichte Nummer Eins ist ein Flop, einziger Pluspunkt ist die altbekannte Figur, auf die ich mich sehr gefreut hatte.

Es wurde so viel Werbung um das neue Eragon-Buch gemacht, Christopher Paolini veranstaltete sogar eine internationale Tour, doch somit ist die Enttäuschung nur größer geworden.
Natürlich habe ich das Buch innerhalb von zwei, drei Stunden verschlungen und bereue auch nicht, diese Zeit investiert zu haben, doch es hätte mehr sein müssen. Mehr Handlung, mehr Spannung, mehr sinnvoll genutzte Seiten und von den Charakteren hätten wir Leser auch gerne mehr erfahren.

Trotz allem war es ein nettes Wiedersehen, weshalb ich 3 von 5 Sterne vergebe.

Wird nicht mit in die Bewertung einbezogen:

Am Rande muss ich noch erwähnen, dass 18 Euro für eine Seitenzahl von 304 mit übertrieben großer Schrift und viel Rand ein sehr stolzer Preis sind..