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10. Februar 2021

Dylan Farrow: Hush - Verbotene Worte (Band 1)


Übersetzt von Alexandra Ernst

Ab 14 Jahren

416 Seiten (HC)

Erschienen: 10.02.2021 (HC, E-Book)

ISBN: 978-3-7432-0516-1 (HC)

Verlag & Quelle: Loewe Verlag




Klappentext:
Bücher sind gefährlich.
Tinte kann tödlich sein.

Shae lebt in Montane, einem Land, in dem Sprache Macht bedeutet. Mit eiserner Hand regieren die Barden über das verarmte Volk. Denn nur sie können mit ihren Worten die Magie kontrollieren. Shae fürchtet sich umso mehr vor ihnen, weil sie ein Geheimnis hat: Alles, was sie stickt, wird lebendig. Aber dann passiert etwas, das ihr keine Wahl lässt, als Antworten bei den Barden zu suchen. Und schnell lernt Shae, wie mächtig Worte wirklich sein können …

Das aufsehenerregende Jugendbuch-Debüt von Dylan Farrow ist der Auftakt einer starken Fantasy-Dilogie, die aufzeigt, wie mithilfe von Propaganda und Lügen die öffentliche Meinung beeinflusst und die Wahrheit totgeschwiegen wird. Spannend werden die Themen Fake News und politische Meinungsmache in eine originelle Fantasygeschichte mit feministischem Charakter eingeflochten.

Rezension:
Hush hat mir fesselnde Lesestunden beschert und mich gleichzeitig enttäuscht, wie bei zwei Seiten einer Medaille.

Ich konnte sehr schnell in die Geschichte abtauchen, zum Einen dank des flüssigen und leichten Schreibstils und zum Anderen, weil mich Handlungsort, Charaktere und Story (vom Klappentext) außerordentlich ansprachen.

Mit der Protagonistin Shae kam ich schnell sehr gut zurecht, auch wenn ich anfangs ihr Alter falsch einschätzte und mich bei späteren Szenen erst wunderte und dann mein bereits geformtes Bild von ihr etwas altern lassen musste. Mir gefällt an ihr, dass sie aufgrund ihres schwierigen Lebens tough ist, aber nicht zu eiskalt, berechnend oder schlichtweg "perfekt im Überlebenskampf". Sie ist auf eine natürliche Weise stark und unsicher zugleich, was mich wirklich anspricht. Allerdings hat sie viele Selbstzweifel und oftmals eine pessimistische Einstellung, dass irgendwann too much war und mir mit der Zeit auf den Keks ging.
Alle weiteren Charaktere empfinde ich insgesamt als interessant und lebendig aufgestellt, allerdings sind getroffene Entscheidungen und das Verhalten vieler nicht einfach nur überraschend, sondern schlichtweg nicht nachvollziehbar. Es gibt gegen Ende bei einigen Charakteren krasse Wendungen, die für mich keinen richtigen Sinn ergeben. Das hätte die Autorin besser vorbereiten und ausbauen müssen, dann wäre es echt super.

Somit komme ich schon zum nächsten Punkt: Der Ausbau/ Hintergrund.. von, na ja, allem.
Während des Lesens hat mich die Story wirklich richtig gefesselt, mich unterhalten und auch zum Nachdenken gebracht. Als die Seitenzahl immer höher wurde habe ich mir aber irgendwann gedacht: Hm, es gefällt mir, aber da sollte mehr sein. Mehr Handlung, mehr Tiefgang, mehr Gespräche, umfangreichere Gespräche, mehr informatives zum Training, >kann jemand mal mehr zur Geschichte des Landes erzählen?< usw.
Für mich wirkt Hush wie ein Fantasybuch für (junge) Erwachsene, dass man für Kinder/ Teenager umgeschrieben und gekürzt hat.

Die wichtigste Botschaft wie auch Inhalt des Buches sind die Themen Wahrheit, Illusion, Glaube, Täuschung und Vertrauen - die Idee dahinter wie auch die Art und Weise der Ansätze, es in die Handlung einzubauen, finde ich SUPER! PACKEND! CLEVER! Aber hier fängt dann die Enttäuschung an. Idee(n) super, Umsetzung nicht ganz geklappt. Echt schade!
Man erkennt, was die Autorin einem sagen möchte, aber die Vermittlung dessen in einer vielschichtigen, tiefgreifenden Handlung mit Magieaspekten hat leider nicht geklappt.

Apropos Magie, hier bin ich ebenfalls enttäuscht, man lernt kaum etwas darüber und erst ist Magie total schwierig und ein paar Seiten weiter kann mans.. Ebenso fand ich das Training nicht wirklich tiefgründig und überzeugend.

Hush hat mir an sich gut gefallen, in mancher Hinsicht beschäftigt und auch zum Nachdenken angeregt, doch die (steigenden) Erwartungen konnten nicht erfüllt werden. Trotz allem bin ich gespannt auf den zweiten und finalen Band (ist eine Dilogie)!
Die Sternevergabe fällt mir nicht leicht; es ist kein fünf Sternebuch, doch besser als drei Sternebücher..
3,5/5 Sterne
(aufgerundet für manche Plattformen 4/5 Sterne)
PS: Wenn Dich der Klappentext anspricht, dann lies es! Auch wenn ich enttäuscht bin, bereichert es trotzdem meinen Lesehorizont. :) Auch denke ich, dass man bei dieser Art Buch seine eigene Meinung bilden sollte.

10. April 2019

Maureen Johnson: Ellingham Academy - Was geschah mit Alice?


Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina

Ab 13 Jahren

464 Seiten

Hardcover mit Schutzumschlag, Prägung 

ISBN 978-3-7432-0206-1

Erschienen: 11.02.2019

Quelle: www.loewe-verlag.de



Rezension:

Die Haupthandlung spielt in der Gegenwart und begleitet Stevie Bell, welche ein großer Fan von Sherlock Holmes und anderen Detektiv-Romanfiguren ist, auf ihrer neuen Schule, der Ellingham Academy. Ihr Lieblingsfall ist das Jahrzehnte zurückliegende und ungelöste Verbrechen der besagten Schule, welches Stevie endlich lösen möchte.

Tatsächlich hat mich Stevie nach einer Weile an den beliebten Sherlock aus der BBC Serie erinnert, was ich nicht schlecht finde - ganz im Gegenteil: Es hat mich echt neugierig gemacht! Weiterhin ist eine interessante Gruppenzusammensetzung in der Eliteschule vorzufinden, etwas, was in den meisten Schul- und Internatsgeschichten nicht mehr wegzudenken ist. Schließlich wird es für den Leser so deutlich abwechslungsreicher aufgrund von vorprogrammierten Missverständnissen, Bündnissen, Liebesgeschichten und Streitigkeiten. Wo ich auch schon beim nächsten Punkt bin: Der Schlagabtausch ist herrlich geschrieben, die Autorin hat hier die Goldene Mitte gefunden. Weder zu müde noch übertrieben formuliert, insbesondere Stevie und David kommen sich immer wieder in die Quere.

Hervorragend ist auch der Handlungsort: Eine abgelegene Schule, die ohne finanzielles Limit nach den Vorlieben des Gründers erbaut wurde. Ein große Villa im Zentrum und um sie herum die verschiedenst aussehenden Häuser mit den Klassen- und Wohnräumen. Der Unterricht wird zum Teil individuell angepasst, was mich beim Lesen bereits hat überlegen lassen, welchen Unterricht ich gerne in der Schule gehabt hätte. Wobei ich an eine solche Eliteschule wohl nie gekommen wäre. [Geheimgänge und alte Statuen muss man nicht mit erwähnen, die sind selbstverständlich schon inbegriffen! Die gedruckte Karte im Buch finde ich daher sehr praktisch.]

Wie bereits erwähnt, ist Stevie nahezu besessen von der Kriminologie, doch dafür, dass sie eine berufliche Karriere beim FBI einschlagen möchte, hinterfragt sie wenig, ist sehr schüchtern und ergreift zu selten die Initiative. Da hatte ich als Leser zu Beginn mehr erwartet. Jedoch werden diese Punkte damit begründet, dass die Protagonistin die meiste Zeit ihres Lebens im Zimmer mit dem Lesen von Kriminalfällen und Hören von Podcasts verbracht hat und ihre Freunde fand sie ausschließlich über Online Foren. Ich bin hier ein wenig hin und her gerissen. Zum Einen gefällt es mir, dass uns keine perfekte Ermittlerin vor die Nase gesetzt wird, sodass wir sie auf ihrem Weg begleiten können. Auf der anderen Seite hätte ich mir doch einen Tick mehr gewünscht, um die Spannung und das Mitfiebern zeitiger zu erhöhen.


Gelegentlich springt die Handlung zurück in die vierziger Jahre, wo die berühmte 'Ellingham-Affäre' stattfand. Dies bietet dem Leser einen besseren Einblick in die Geschehnisse und zeigt das Wissen auf, dass sich die Protagonistin über Jahre hinweg erarbeitet hat. Besonders die Vernehmungen der Zeugen empfand ich als sehr unterhaltsam und interessant.

Richtig spannend wird es erst im letzten Drittel des Buches, als ein Mord geschieht. Nun endlich fängt Stevie an zu ermitteln, wird aktiver und die Handlung nimmt Fahrt auf. Doch das hätte schon eher passieren müssen, die Einleitung war viel zu lang, wenn auch dank des einfachen Schreibstils leicht und flüssig zu lesen.

Zu der Kussszene muss ich noch ein paar Worte schreiben: Diese kam unvorbereitet und passt nicht zur Entwicklung des weiblichen Charakters, weil diese auf sozialer Ebene so viele kleine Probleme hat, dass sie noch nicht bereit ist für eine solche Handlung. Die Geschichte wäre auch ohne einen Kuss gut geworden, vielleicht hätte man es sich für den zweiten Band aufheben können.

Die Gewaltverbrechen in Vergangenheit und Gegenwart wurden von der Autorin gut durchdacht und mysteriös verpackt, allein dadurch entsteht eine gewisse Grundspannung und Neugier darüber, was alles dahinter stecken mag.
Das Ende beinhaltet eine Enthüllung sowie einen Cliffhanger, welcher den Leser sehnsüchtig auf den zweiten Band warten lässt. Doch auch ohne den Cliffhanger würde ich mich sehr auf die Fortsetzung freuen, weil es sich hier um einen gut gelungenen Auftakt handelt, in dem man die Einleitung etwas kürzer hätte fassen können.

Ich vergebe 4 von 5 Sterne!