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31. Juli 2020

Ross MacKenzie: Immernacht

Übersetzt von Kanut Kirches

Ab 11 Jahren

350 Seiten

Hardcover

ISBN: 978-3-407-75485-1

Erschienen: 22.07.2020

Quelle: www.beltz.de


Mit vielen kleinen Kapiteln folgt man überschaubar den Wegen und Schicksalen der sehr lebendig wirkenden Charaktere. Und da bin ich gleich schon bei einem Punkt, der mir außerordentlich gut gefällt: Auch wenn die Hauptfigur Lara Fox ist, spielen viele weitere Figuren eine wichtige Rolle, sodass man in dem einen Kapitel Hier und im nächsten Dort ist. Dadurch wird es deutlich abwechslungsreicher, man lernt verschiedene Blickpunkte kennen und kommt den Figuren näher. Die Kapitel umfassen immer nur wenige Seiten, sind recht gut voneinander abgegrenzt und das verstärkt in meinen Augen den Lesefluss wie auch die Begeisterung und Neugierde für das Abenteuer.

Gefördert wird das durch den Schreibstil, denn dieser ist super angenehm und leicht zu lesen, ohne dabei an Tiefe zu verlieren.

Die erschaffene Welt ist ebenso gelungen, vor allem die Kanalisation als einer der wichtigsten Handlungsorte ist interessant und anschaulich umgesetzt worden. Obendrein ist eine spannende Zeit gewählt worden; Pistolen gibt es schon, jedoch keine Autos - dafür aber mechanische Uhrwerke, angehaucht mit Magie. Was gibt es besseres?
Richtig faszinierend fand ich die Kreativität der Zauberstäbe, also wie diese angewendet und nachgeladen werden müssen! Viel mehr Beweise braucht es nicht, um zu erkennen, dass wir uns im tollen Steampunk Genre befinden, angereichert mit Fantasy-Elementen.

Wie bereits angedeutet, die Ereignisse sind spannend aneinander gereiht, haben mich sehr gut unterhalten und es gab sogar ein, zwei Wendungen, die mich positiv überrascht haben. Langeweile gibt's hier nicht!

Jedoch konnte ich die Entscheidung des Konzils nicht ganz nachvollziehen, in meinen Augen wirkte es, als ob man hier etwas mehr Action erzeugen wollte - und das scheitert mangels handfester Erklärung.

Zudem wurden ein paar der traurigen / etwas nachdenklichen Szenen mit zwei, drei Sätzen "abgearbeitet". Hier hätte ich mir mehrere emotionalere Sätze gewünscht. An den meisten Stellen wurde dies passend für Kinder umgesetzt, doch bei den besagten Szenen hätte man es entweder ganz weglassen oder ausführlicher behandeln können. Doch vielleicht nehme ich es als Erwachsene zu genau und für ein Kinderbuch ist diese Einstufung in Ordnung.


Großes Lob gibt es für das Ende! Dieses hat einen guten Abschluss, die meisten Fragen werden beantwortet, doch ein paar Punkte bleiben offen, was mir ausgesprochen gut gefällt. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben, sondern es liegt an uns, was wir aus der begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit machen und wie wir sie nutzen möchten, schließlich wartet eine ganze Welt da draußen auf uns - mit vielen potenziellen Freunden.

Bei 'Immernacht' handelt es sich um ein gelungenes, magisches Kinder- und Jugendbuch, dass mir schöne Lesestunden beschert hat und ich kann es definitiv weiterempfehlen! 4,5 / 5 Sterne (aufgerundet bei manchen Websites 5/5 Sterne)

9. September 2019

Angie Sage: Silberdrache (Band 1)


Silberdrache

Übersetzt von Bernd Stratthaus

Ab 11 Jahren

310 Seiten

Hardcover

ISBN: 978-3-8458-3397-2

Erschienen: 23.08.2019

Quelle: www.arsedition.de


Eine großartige Geschichte über Freundschaft und Vertrauen in einem tollen Abenteuer verpackt - was wünscht man sich als Leser mehr?

Die Handlung spielt an zwei Orten, die nicht unterschiedlicher sein könnten. In unserer Welt begleiten wir Sirin und ihre kranke Mutter und in der anderen Welt die Geschwister Allie und Joss, letzterer schließt ein Band mit dem Silberdrachen Lysander.

Der Schreibstil ist einfach gewählt, leicht verständlich, was einen als Erwachsenen vielleicht etwas stören mag, weil man mehr Tiefgang erwartet. Man sollte hier jedoch die Zielgruppe (ab elf Jahre) beachten und ich persönlich konnte Kapitel für Kapitel flüssig, schnell und angenehm lesen.

Die Geschichte selber ist nicht unbedingt etwas Neues, es sagt mir jedoch in Kombination mit den Charakteren zu. Sehr gut gefällt mir, dass die Kinder nicht zu erwachsen agieren, sondern sich naiv und gutgläubig verhalten und für manches noch nicht so den "Weitblick" haben. Im Laufe der Zeit erkennt man aber eine kleine Weiterentwicklung der Figuren.

Nicht nur Freundschaft ist ein wichtiger Gegenstand, denn die Autorin arbeitet ebenfalls mit dem schwierigen Thema Verlust. Dieses trifft man auf mehreren Seiten in verschiedenen Formen an und es wurden passende Worte gefunden, die mich manchmal auch zum Nachdenken anregten. So konnte ich mich auch besser mit den Charakteren identifizieren, weil man mit ihnen mitfühlen und sie näher kennen lernen konnte.

Was ich allerdings nicht immer richtig nachvollziehen konnte war das Schließen eines Bundes zwischen Mensch und Reiter. Es ging mir immer etwas zu schnell.. Man wechselt ein paar Sätze und schon war man miteinander verbunden. Da viel es mir etwas schwer, dieser Verbundenheit auch wirklich zu glauben, selber daran zu glauben, weil Mensch und Drache sich noch völlig fremd sind...

Einzig fraglich sind die beschriebene Brutalität, Aggressivität sowie das Erwähnen von Menschenknochen, das Verschlingen von Menschen etc.. Ich hätte das mit elf Jahren lesen können, jedoch denke ich, dass das nicht auf jeden zutreffen wird.

Alles in allem hatte ich tolle Lesestunden und freue mich jetzt schon auf den nächsten Band! Nicht nur für Kinder, auch für manch Erwachsenen ein toller Auftakt, der mehr verspricht.

Ich vergebe 4,5/5 Sterne.

Wird nicht mit in die Bewertung einbezogen:

Wo ich ein wenig schmunzeln muss, ist, dass die Geschichte von einem silbernen Drachen handelt, heißt auch so, aber auf dem Cover ist ein blauer..

25. Mai 2019

Christopher Paolini: Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia. Band 1: Eragon

Übersetzt von Michaela Link

Ab 14 Jahren

304 Seiten

Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-570-16581-2

Erschienen: 21.01.2019

Quelle: www.randomhouse.de


Aufgrund des großen Erfolges des Eragon-Zyklus, in den ich mich bereits auf den ersten paar Seiten verliebt hatte, waren meine Erwartungen an das neue Buch entsprechend hoch. Trotzdem bin ich versucht vorsichtig herangegangen, weil ich mich noch gut an den leider etwas schwachen vierten Band erinnere.

Rezension:

Es handelt sich um eine Sammlung von drei Kurzgeschichten aus Alagaësia, von denen eine vor und zwei nach dem Eragon-Zyklus spielen. Leider liest man von Eragon und Saphira nur wenig, dafür stehen jedoch Angela sowie eine weitere bekannte und zwei neue Figuren im Mittelpunkt.
Die Geschichte der Kräuterhexe empfand ich als sehr unterhaltsam und interessant und auch, wenn Paolinis Schwester diese geschrieben hat, kam ich mit dem Schreibstil gut zurecht und konnte mir entsprechende Stellen sehr bildhaft vorstellen.

Allerdings hat Christopher Paolini nach wie vor den Hang für ausschweifende Erzählungen, sodass Handlungen bis ins letzte Detail beschrieben werden und dadurch auf vielen Seiten nur wenig passiert. Dieser Punkt macht sich insbesondere in der dritten Kurzgeschichte bemerkbar. Von der Grundidee ausgehend finde ich diese sehr interessant und passend gewählt, jedoch ist sie deutlich zu lang geworden. Trotz super Beschreibungen wird einem an manchen Stellen langweilig und man denkt sich nur noch "Wann ist es zu Ende?". Halb so viele Seiten hätten ausgereicht.

Im Gegensatz dazu sind die anderen zwei Kurzgeschichten zu kurz geraten sowie recht vorhersehbar, sodass kaum Spannung möglich ist. Die Handlung ist flach geraten, da können die gut herausgearbeiteten Charaktere noch so sympathisch sein und glänzen. Insbesondere Kurzgeschichte Nummer Eins ist ein Flop, einziger Pluspunkt ist die altbekannte Figur, auf die ich mich sehr gefreut hatte.

Es wurde so viel Werbung um das neue Eragon-Buch gemacht, Christopher Paolini veranstaltete sogar eine internationale Tour, doch somit ist die Enttäuschung nur größer geworden.
Natürlich habe ich das Buch innerhalb von zwei, drei Stunden verschlungen und bereue auch nicht, diese Zeit investiert zu haben, doch es hätte mehr sein müssen. Mehr Handlung, mehr Spannung, mehr sinnvoll genutzte Seiten und von den Charakteren hätten wir Leser auch gerne mehr erfahren.

Trotz allem war es ein nettes Wiedersehen, weshalb ich 3 von 5 Sterne vergebe.

Wird nicht mit in die Bewertung einbezogen:

Am Rande muss ich noch erwähnen, dass 18 Euro für eine Seitenzahl von 304 mit übertrieben großer Schrift und viel Rand ein sehr stolzer Preis sind..