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27. Februar 2021

Kevin Hearne: Die Chronik des Siegelmagiers, Band 1: Tinte & Siegel


Übersetzt von Friedrich Mader

378 Seiten

Erschienen: 20.02.2021

Formate: Klappenbroschur, E-Book

ISBN: 978-3-608-98203-9

Verlag & Quelle: Hobbit Presse




Klappentext:

Al MacBharrais ist gesegnet. Gesegnet mit einem ungewöhnlich schönen Schnurrbart, einem Sinn für kunstvoll gemixte Cocktails – vor allem aber mit einem einzigartigen magischen Talent. Er schreibt mit Geheimtinte kraftvolle Zaubersprüche. Und als ehrbarer Schotte setzt er alles daran, unsere Welt vor den schurkischen Knechten verschiedener Pantheons zu beschützen, im Besonderen vor Feenwesen, die alles andere als nett sind.

Traurig, aber wahr: Al ist auch verflucht. Jeder, der seine Stimme hört, geht sofort mit unvorstellbarem Hass auf ihn los. So kann er nur schriftlich oder mit Sprach-Apps kommunizieren. Und schlimmer noch: Alle seine Lehrlinge starben bei höchst sonderbaren Unfällen. Fergus wurde bei den Highland-Spielen von einem schlecht geworfenen Baumstamm erschlagen, Ramsey wurde von schusseligen amerikanischen Touristen, die auf der falschen Straßenseite unterwegs waren, überfahren. Als sein letzter Lehrling Gordie tot in seiner Wohnung in Glasgow aufgefunden wird – er erstickte an einem rosinenhaltigen Gebäck –, entdeckt Al, dass Gordie ein geheimes, verbrecherisches Doppelleben führte und in einen schwunghaften Menschenhandel mit nichtmenschlichen Wesen verstrickt war …

Rezension:

Das Aushängeschild dieser neuen Reihe ist der Humor, welcher nicht gekünstelt ist, sondern originell und unterhaltsam in die Handlung eingebaut wurde. Manche Sprüche konnten mich nicht abholen, okay, doch die meisten Kommentare sind richtig amüsant und herrlich! Der Humor peppt das Geschehen richtig auf und trotzdem bleibt die Geschichte vielschichtig und an den betreffenden Stellen ernst.

Denn die Handlung spricht mich total an und hat mir verdammt gut gefallen! Feen und coole Magie in unserer Welt, was will man mehr. :D Es gab einige überraschende und ebenso spannende Momente und nicht nur diese, sondern jede einzelne Seite konnte mich fesseln und abtauchen lassen.

Die Charaktere glänzen hier ebenso hervorragend! Wirklich! Sie nehmen einen von der ersten Begegnung an mit und überzeugen mit Lebendigkeit und Witz! Ich konnte mir alle Figuren sehr gut vorstellen, außerdem sind sie abwechslungsreich kreiert und die Dynamik unter ihnen ist klasse.

Zudem ist der Schreibstil flüssig und gewandt, sodass es mir wirklich schwer viel, dass Buch zwischendurch mal zu schließen.

Die Idee von allem und deren Umsetzung, also die Siegel, die Siegelmagier, die Götter usw. finde ich äußerst gelungen und faszinierend. Es gibt vom Autor bereits eine andere Reihe, genannt Die Chronik des Eisernen Druiden, welche ebenfalls in exakt dieser Welt spielt. Die Welt von Tinte & Siegel hat mich total angesprochen, sodass die andere Reihe auf meiner Wunschliste weit nach oben gerutscht ist!

Als Fazit kann ich sagen, dass ich richtig tolle Lesestunden hatte und die Kombination aus Krimi, Fantasy und Humor ist dem Autor ausgesprochen gut gelungen! Ich kann das Buch klar weiterempfehlen!

Volle 5/5 Sterne!

25. Januar 2021

Emma Späth: Schattenwege - Im Herzen des Waldes

Ab 12 Jahren

619 Seiten (HC)

Erschienen: 02.12.2020 (E-Book)
                    17.12.2020 (TB, HC)

ISBN: 978-3-347-20175-0 (HC)

Verlag & Quelle: Tredition (Self-Publishing)


Klappentext:
Mysteriöse Lichtzeichen vom Dach und ein eigentümlicher Einbrecher führen ›Jayne Scout‹ ans Langdale-End Internat. Einen abgeschiedenen Gebäudekomplex, mitten im Wald von North Yorkshire.
Die junge Geheimagentin brennt darauf zu zeigen, was sie draufhat. Ihr erster Fall – undercover.

Doch im Internat angekommen trifft sie auf eine alte Bekannte. Und unaufhaltsam nimmt das Schicksal seinen Lauf …
Keiner ahnte, was sie dort erwartet: wie komplex das Netz aus Intrigen und Machenschaften hinter den Mauern der Schule ist. Und keiner hat voraussehen können, wie schnell Jayne, völlig auf sich gestellt, an ihre Grenzen kommen würde …
---
Eine rührende Erzählung, wie wahre Freundschaft selbst die tiefsten Wunden heilen kann.

Ein Krimi mit Herz und Köpfchen:
Tiefgründig, vielseitig und komplex – weil ein Krimi nicht immer nur von Mord und Totschlag handeln muss: Für alle, die spannende Krimis lieben, in denen es nicht ums Blutvergießen geht. Zum Mitfühlen, Mitfiebern und Mitdenken.

Rezension:
Nach viel zu langer Zeit ist mir endlich wieder ein (Jugend-)Krimi in die Hände gefallen. Ich kann schon vorweg sagen: Ein sehr ausgeklügelter und realistischer Fall!

In der Geschichte fand ich mich schnell und gut zurecht. Gleich zu Beginn lernt man Jaynes gedankliche Kommentare kennen, die ich echt super finde! Diese sind Humorvoll (davon hätte es echt noch mehr geben können) und geben einen informativen Einblick in Jaynes Gedankengänge und Vorgangsweise.
Jayne selber hat eine sehr sachliche und kühle Einstellung, sodass ich sie zu Beginn des Buches noch nicht unbedingt zu meinen Freunden hätte zählen wollen, doch mit der Zeit ist sie mir ans Herz gewachsen.

Ihre Freunde sowie alle weiteren Nebenfiguren empfinde ich als gut ausgearbeitet, jedoch fehlte mir ein Funke mehr Lebendigkeit, insbesondere bei ihren Freunden kommt das zum Ausdruck. Die beiden Mädels konnte ich noch gut wahrnehmen, doch die drei Jungen waren leider nicht richtig greifbar.

Zum Schreibstil, dieser lässt sich angenehm flüssig lesen und ist an den richtigen Stellen fesselnd geschrieben! Ein kleines Aber muss ich jedoch erwähnen, es mir fiel mir während des gesamten Buches in einigen Szenen nicht leicht, herauszufinden, wer was sagt. Das hat mich dann manchmal etwas aus der Bahn geworfen.

Und der Fall selber? Der ist super! Spannend, rätselhaft und vor allem realistisch! Jaynes Alleingänge empfand ich immer als interessant und neugierig machend und zwei, drei Szenen waren echt verdammt spannend! Generell konnte ich sehr gut in die Geschichte abtauchen.
Die Handlung, wie schon angedeutet, hat mich positiv angesprochen. Es wurde nie langweilig und in der ersten Hälfte des Buches hatte ich eine verrücktere Idee nach der nächsten, bzgl. wie die Auflösung des Falls aussehen könnte. Stück für Stück werden dem Leser Hinweise zugeworfen und manchmal ist Jayne noch so fies, den genauen Inhalt des Hinweises hinauszuzögern. Herrlich! :D

Als Fazit kann ich sagen, dass es ein clever erarbeiteter Jugendkrimi mit viel Fokus auf einem realistischen Werdegang ist. Im Vergleich zu vielen anderen Büchern liegt hier das Augenmerk auf einer Figur, was wirklich gut umgesetzt wurde! Es hat mich sehr gut unterhalten und ich kann es klar weiterempfehlen.
4/5 Sterne

15. Januar 2021

P.C. Cast & Kristin Cast: House of Night, Band 6: Versucht


Übersetzt von Christine Blum

551 Seiten bzw. mit Leseprobe vom siebten Band 598 Seiten (HC)

Erschienen: 12.05.2011 (HC)

Formate: Hardcover, Taschenbuch, E-Book

ISBN: 978-3-8414-2006-0 (HC)

Verlag & Quelle: S. Fischer Verlag




Ich lese diese packende Reihe seit ca drei Jahren, doch weil sich immer wieder andere tolle Bücher dazwischen drängeln dauert das Lesen der gesamten Reihe etwas länger. Aber so kann ich es länger genießen! :)
Aus versch. Gründen ist dies sogar meine erste Rezension im House of Night Universum und sie bezieht sich vordergründig natürlich auf den sechsten Band 'Versucht'.

REZENSION:
Wie bei den vorherigen Bänden war es auch hier so: Die erste Seite gelesen und ich bin voll drin. Wie nach Hause kommen. Mitreißend. Süchtig machend.
Im Ernst, jeder Band haut mich aufs Neue voll um.
Die Charaktere sind lebendig, vielschichtig und man kann mit ihnen mitlachen und-leiden, wie als ob man neben ihnen steht. Oder in deren Körper steckt. Ihre Probleme, Sorgen und Gedanken sind nachvollziehbar, logisch und emotional, auch wenn die Situationen natürlich an ihre magische Welt angepasst sind.

Die Story bleibt durchweg interessant, Spannung begleitet einen durch das ganze Buch und Abwechslung gibt's ausreichend. Man befindet sich mal hier, mal dort und in dem einen Kapitel folgt man Stevie und im nächsten Zo oder wem anderes. Der rote Faden ist klar erkennbar und das drum herum ist genauso packend und hängt in irgendeiner Form mit dem roten Faden zusammen.
Diese Reihe zählt zu den stärksten, in denen ich schnell (also nach nur wenigen Seiten) und komplett abtauchen kann. Ich vergesse alles um mich herum und die Handlung läuft nicht einfach in einem megascharfen Film vor meinem inneren Auge ab, sondern ich bin überall dabei. Teils als Zuschauer und teils hineinversetzt in die Charaktere. Was will man mehr? (außer in das Buch wortwörtlich hineinspringen..^^)

Der Schreibstil trägt echt ne Menge dazu bei! Einer der Besten, die mir je begegnet sind. Super flüssig, teils Umgangssprache, angenehm, lehrreich, emotional und mit ausreichend Tiefe.

Zum Worldbuilding, diese ist ähnlich der unseren, aber doch mit gewissen Unterschieden. Im sechsten Band lernt man etwas mehr zur internationalen Welt und auch, wenn Politik & Co nicht im Vordergrund der Handlung stehen, sind diese ausreichend logisch und interessant aufgebaut.
Die Magie, Affinitäten Jungvampyrregeln usw. sind für mich spannend, magisch und faszinierend!

Zur House of Night Welt gehören auch eine Menge erotische Szenen, heiße Typen und Liebeskummer, die auch im sechsten Band nicht fehlen. Im Vergleich zu den vorherigen Bänden ist die Erotik (angepasst an die Handlung) etwas gewichen, was dem Buch keinen Abbruch tut.

Hab ich was zu meckern? Wie bei vielen meiner Lieblingsbücher würde ich gerne mehr von den Nebenfiguren lesen, aber dann würden sie ja nicht mehr 'Nebenfiguren' heißen.. :D

Fazit ist, House of Night bleibt auch mit Beenden des sechsten Bandes eine meiner Lieblingsreihen! Krasse lebendige Charaktere, packende Handlung & mitreißender Schreibstil - süchtig machend!
5/5 Sterne, was sonst ;)

24. November 2020

Robert Jackson Bennett: Der Schlüssel der Magie, Band 1: Die Diebin


Übersetzt von Ruggero Leò

605 Seiten

Paperback

ISBN: 978-3-7341-6266-4

Erschienen: 19.10.2020




Gleich mit der ersten Seite wird man ins Geschehen gezogen, denn ohne große Einleitung begleitet man Sancia bei einem gefährlichen Auftrag. Tatsächlich hat mich bereits auf den ersten Seiten eine gewisse Spannung oder auch lauernde Erwartung gepackt, ausgelöst durch den hervorragenden Schreibstil und weil dem Leser nur das Nötigste erzählt wird, sodass man sich sehr gut auf die Handlung konzentrieren und diese genießen kann.

Bleiben wir erstmal beim Erzählstil, denn diesen finde ich klasse! Allem voran die Konversationen, die haben mich richtig gepackt, weil sie sooo verdammt echt und lebendig und flüssig sind! Da macht das Lesen gleich viel mehr Spaß.

Ebenso überzeugten mich die Charaktere, auch wenn man an ein paar der Nebenfiguren noch etwas feilen könnte. Mit der Protagonistin Sancia kam ich sehr gut zurecht. Vielleicht kann man einige Momente von ihr als etwas emotionslos betrachten, doch in meinen Augen passt das gut zu ihrer Persönlichkeit. Und von einem Charakter bin ich total begeistert - humorvoll/sarkastisch, weise, ein guter Freund. Aus Spoilergründen kann ich leider nichts weiter dazu schreiben, doch ihr werdet bestimmt positiv überrascht sein!

Die Handlung gefällt mir von vorne bis hinten, denn sie ist rasant, glaubwürdig, spannend und einige krasse Wendungen sind auch anzutreffen!

Jetzt aber zu dem Punkt, über den ich schon die ganze Zeit schreiben möchte: Die Magie! Ich liebe diese! Was mir total zusagt, ist wie Magie und Wissenschaft Hand in Hand gehen. Einfach Genial! Manchmal sowas von unterhaltsam und lustig und dann auf einmal versteht man nicht jeden Satz und wünscht sich, im Physikunterricht besser aufgepasst zu haben.
Daher kann man die Geschichte nicht problemlos einem Genre zuordnen, sie ist eher ein Mischung aus mehreren, was mir erneut richtig gut gefällt.

Nicht nur das Magiesystem, sondern auch das Worldbuilding insgesamt ist grandios gelungen. Die einzelnen Stadtviertel, die Wasserwacht, die Handelshäuser, Historische Ereignisse.. Eine Welt, mit der man als Autor wie auch Leser gut arbeiten kann. Interessant, neugierig machend und spannend aufgebaut und wie so oft erfährt man einiges, aber nicht alles. (Wann kommt Band zwei?)

Wie bei vielen Fantasybüchern gibt es auch hier blutige, gewalttätige und erotische Szenen, diese halten sich aber meistens am Rand auf und verdeutlichen damit die schreckliche Welt, in der die Figuren leben (müssen). Manche von ihnen haben einiges durchmachen müssen und dem Autor ist es auf jeden Fall gelungen, dass man die Perspektive und das Handeln der Charaktere verstehen kann.

Ich bin gerade wirklich am überlegen, ob es etwas gibt, dass mir nicht gefallen hat.. doch abgesehen von ein paar nicht ganz so starken Nebenfiguren fällt mir nichts ein.

Der Auftakt der Trilogie (=yayy es kommen noch zwei weitere Bände!) ließ mich während des Lesens nicht los und hat mir hervorragend gefallen. Damit reiht es sich easy bei meinen Jahreshighlights ein! 5/5 Sterne

15. September 2020

Christopher Paolini: Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne

Übersetzer: Katharina Naumann, Barbara Häusler, Dr. Eberhard Kreutzer, Anke Kreutzer

960 Seiten

Hardcover

ISBN: 978-3-426-22736-7

Erschienen: 15.09.2020



An 'Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne' arbeitete Herr Paolini sieben Jahre und länger, die ersten Ideen kamen ihm während des Eragon - Zyklus, welcher seit einem Jahrzehnt meine Lieblingsbuchreihe ist.
Meine Erwartungen waren demzufolge sehr hoch und nun die Frage aller Fragen: Kann INFINITUM mit dem früheren Eragon-Erfolg mithalten? JA, KANN ES!

Über 900 Seiten Science Fiction strahlten mich beim Öffnen des Buches an und Paolini schaffte es tatsächlich, dass mir jede einzelne Seite gefiel! Und weit mehr als "nur gefallen", das Werk zog mich in seinen Bann, ich konnte die Augen nicht mehr von den Buchstaben ablassen, ich verschlang und verlor mich in den Seiten!

Im Mittelpunkt von allem und jedem steht Kira Navárez, Xenobiologin, und mit ihr kam ich von Beginn an äußerst gut zurecht. Ich merkte zu meiner Freude sehr schnell, dass sie nicht blass gemalt wurde, sondern einen lebendigen, vielschichtigen Charakter mit glaubhafter Tiefe darstellt. Im ersten Drittel des Buches lernt man eine eher schwache emotionale Seite von ihr kennen, doch die begrenzt ausgeprägten emotionalen Reaktionen sind in einem hervorragenden Gleichgewicht zu ihrer Persönlichkeit und Ausstrahlung. Ich meine, sie ist eine fähige und ehrgeizige Wissenschaftlerin, die rund 200 Jahre in der Zukunft im Weltall lebt und eine heulende, auf sozialer/emotionaler Ebene stark reagierende Protagonistin wäre hier in meinen Augen etwas fehl am Platz. Kira geht praktisch veranlagt, logisch denkend und neugierig vor und je mehr man sie und ihr Umfeld kennen lernt, desto mehr Emotionen begegnen einem auch, stellenweise ging's mir dann auch echt unter die Haut, direkt ins Herz! Also Kaltherzig oder sowas ist sie bzw. das Buch an sich nicht, keine Sorge. :D
Nicht nur Kira, auch die anderen Figuren machen einen überragend guten Job! Es ist, als würden sie live, in echt, vor einem stehen! Man leidet, rennt, rätselt, lacht mit ihnen mit; lernt sie Szene für Szene besser kennen, versteht ihren Standpunkt und schaut mit der Zeit immer tiefer in sie hinein, lernt sie verstehen. Paolini hat es wirklich wieder geschafft, beeindruckende, lebendige, ATMENDE Charaktere zu erschaffen, die ihre Daseinsberechtigung weit mehr als nur erfüllen. Auch all die anderen verschiedenen Formen des Lebens, um nicht zu viel zu verraten, überzeugen auf ganzer Länge. Maan, ich möchte unbedingt an Bord der Wallfish! Da jede Figur ihre eigene Persönlichkeit besitzt, kommen viel Abwechslung, Spannung, Überraschung und Emotionen zusammen, insbesondere bei den Unterhaltungen! Diese sind super realistisch und mitreißend gestaltet, man steht wahrhaftig neben/ zwischen ihnen und hört zu.

Wo ich schon beim nächsten Punkt bin: Der Schreibstil ist äußerst flüssig, wortgewandt, packend! Aufgrund des Genre sind natürlich viele wissenschaftliche Beschreibungen, Fachbegriffe & Co enthalten, doch es liest sich niemals wie Fachliteratur, sondern man bleibt immer in der Geschichte drin und, ich jedenfalls, saugte jedes Wort förmlich auf. Ein paar Abschnitte las ich doppelt, der Grund dafür ist nicht der Satzbau, sondern der Inhalt, denn manchmal sind viele (versteckte) Informationen oder Andeutungen enthalten. Denn ja, Konzentration muss man beim Lesen aufbringen, keine "leichte Kost für zwischendurch", eher "epische Kost". :D In Paolinis früheren Büchern begegnete einem sein Hauch für Ausschweifungen in Form teils langatmiger Erzählungen, doch in Infinitum bemerkt man seinen weiterentwickelten Schreibstil.
Es gibt immer noch lange Erzählungen, doch diese sind nun deutlich besser der Handlung angepasst - im Sinne mehr Handlung, teilweise passiert sogar richtig krass viel in nur kurzen Abschnitten. Die Handlung wirkt aber nie überladen, obwohl auf diesen rund 900 Seiten echt viel passiert!
Ich konnte mir alles richtig gut vorstellen; genauso wie damals bei Eragon war es, als liefe nicht einfach nur ein Film vor meinen Augen ab, sondern ich war live mit dabei und konnte in die Figuren hineinspringen und mitfühlen oder eben daneben stehen und so am Geschehen teilnehmen.
Super fesselnd sind die Gefechte und Kämpfe, man kann dem Geschehen als Leser richtig gut folgen und die Beschreibungen währenddessen von z.B. Räumen oder den Gegnern empfand ich immer in einem angemessenen Rahmen, sodass die Spannung gehalten wurde. Allgemein war ich von Seite eins bis zur allerletzten hin und weg, hatte mal ein Grinsen im Gesicht, dann schüttelte ich den Kopf oder bangte stöhnend mit - Ich empfand wirklich durchweg Spannung, Faszination und Anteilnahme, ersteres wenn auch natürlich in unterschiedlichen Graden.

Paolini ist ein Meister im Worldbuilding, d.h. im Erschaffen von Welten, wodurch diese neue Welt richtig viel Neugierde, Begeisterung, Spannung und viiiele Fragen hervorbringt! Die Historie mit den Lebensläufen und Schicksalen der Charaktere in Zusammenarbeit mit Politik, Intrigen, Wendungen, Kampfszenen, Emotionen und Naturwissenschaften / Logik so erfolgreich zu verbinden ist der Hammer! Wahnsinn! Ereignisse und Entscheidungen sind glaubwürdig aufeinander abgestimmt, Antworten klären Sachverhalte plausibel auf (manchmal verwirren diese auch zunächst => noch mehr Neugierde & Begierde), Richtlinien und Regeln der erschaffenen Welt werden eingehalten und die Gesetze der Physik weitgehend berücksichtigt. Science Fiction ist natürlich auch Fantasy, und das liebe ich, denn so gibt es einige (mysteriöse) Ereignisse und ja, wie so oft werden nicht alle Fragen beantwortet. Ich für meinen Teil erfahre genug und den Rest überlasse ich meiner Fantasie.

Einen für mich sehr wichtigen Aspekt muss ich noch nennen: Als leidenschaftlicher Eragon Fan hoffte ich auf irgendeine Anspielung, Erwähnung, einfach, nun ja, irgendwas. Und ich wurde nicht enttäuscht. Überhaupt nicht. Ganz und gar nicht. Während ich diese Zeilen schreibe erscheint erneut strahlendes Lächeln im Gesicht. Mehr verrate ich nicht, lest selbst!

Zusammenfassend, Leute, ich liebe dieses Buch!
Kann es Eragon das Wasser reichen? -Absolut.
Haut es Eragon von Platz eins meiner Lieblingsbücher/-reihen? -Nein. (Kann mir nicht vorstellen, dass das je ein Buch schaffen wird. :D)

Die Ewigkeit der Sterne hat einen zufriedenstellenden Abschluss, denn ja, es handelt sich um einen Einzelband. Ausgesprochen gut gefällt mir, dass das Ende weder zu kurz noch zu lang geraten ist, quasi genau so viel & lang, dass man als Leser den Abschiedsschmerz stark genug entwickeln kann, um dann mit dem Lesen der allerletzten Zeile aufzuwachen und nicht mehr zu wissen, wo man ist. Realität, Alltag, Atmen -  was sind das für Dinge?

Ich weiß, ich wiederhole mich, doch Infinitum besitzt für mich alles, was ein gutes Buch braucht. Lebendige, tiefgründige Charaktere; starke Handlung mit teils unvorhersehbaren Wendungen; Emotionen; Humor; ausreichend Action; fantastische/ mysteriöse Elemente sowie Struktur in der Abfolge der Handlungen.

Könnte man an dem Buch etwas verbessern? Vielleicht. Mindert das mein begeistertes Lesevergnügen? Nope, auch nach dem Lesen hält mich Infinitum noch im Bann.

Ein klares Jahreshighlight, 5/5 Sterne!

7. Juni 2020

Clive Cussler; Robin Burcell: Das graue Phantom


Die Fargo-Abenteuer Band 10

Übersetzt von Michael Kubiak

573 Seiten

Taschenbuch

ISBN: 978-3-7341-0780-1

Erschienen: 18.05.2020

Quelle: www.randomhouse.de


Oft bekomme ich dieses Genre nicht in die Hände, umso mehr freute ich mich auf diesen Band und meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt!
Es handelt sich um mein erstes Buch von Clive Cussler und ich kann bestätigen, dass man die Fargo-Romane unabhängig voneinander lesen kann.

Die Handlung packte mich schnell und Remi und Sam sind ein total sympathisches wie auch eingespieltes Team, denen ich gerne folgte. Insbesondere ihre Vertrautheit und wie sie sich wortlos verstehen ist echt umwerfend! Wer wünscht sich so etwas nicht. Ebenso gefällt es mir, dass dies zwar alles zum Vorschein kommt, ihre Liebesbeziehung aber nicht in den Mittelpunkt rückt.
Auch die anderen Figuren sind sehr gut dargestellt und überzeugen in voller Länge. Vor allem Isaac Bell fand ich sehr interessant und ich hätte gerne noch mehr von ihm gelesen.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in der Gegenwart, doch anhand kleiner Auszüge erfährt man, wie der Grey Ghost im Jahr 1906 gefunden worden war. Ich verschlang diese Rückblicke regelrecht, denn sie gaben dem Leser einerseits Antworten, doch andererseits kamen wieder neue Fragen auf. Besonders gut gefiel mir, wann diese Auszüge eingespielt wurden; gefühlt immer an der passenden Stelle in der Gegenwart und das angenehm gleichmäßig von Anfang bis Ende.

Gegenwart wie Vergangenheit hielten einige Wendungen und Überraschungen bereit, die mich durchweg an das Buch fesselten! Doch auch mit dem Schreibstil kam ich super klar und die Thematik Automobil ist toll integriert - und zudem liebe ich Autos, passte also.

Das Verbrechen wie auch die Gegenspieler sind glaubwürdig durchdacht, doch an der ein oder anderen Stelle hätte ich ein wenig mehr Tiefe erwartet. Dennoch fiebert man mit, was alles dahinter stecken mag und bei der Auflösung lag ich nur teils richtig; auf alles wäre ich nie im Leben gekommen, auch wenn es im Nachhinein so einfach klingt und einem plötzlich die ganzen versteckten Hinweise während des Buches einfallen.

Das Abenteuer wie auch die Charaktere packten mich von Anfang bis Ende, Langeweile oder langatmige Szenen gab es nicht. Sobald sich etwas Zeit findet, werde ich gerne wieder zu einem Fargo-Roman greifen!
'Das graue Phantom' erhält von mir 4,5 / 5 Sterne. (aufgerundet für einige Websites 5/5 Sterne)

22. März 2020

Stella Tack: Night of Crowns, Band 1: Spiel um dein Schicksal


 

Ab 14 Jahren (Quelle: www.thalia.de)

475 Seiten

Klappenbroschur

ISBN: 978-3-473-58567-0

Erschienen: 22.01.2020

Quelle: www.ravensburger.de




Menschen, die Figuren eines Schachspiels verkörpern? Zwei Schlösser, die ein tödliches Schach spielen, weil sie verflucht sind? Mega!

Dank zwei überzeugender und humorvollen Figuren, die verzweifelt eine Party irgendwo im Nirgendwo suchen, fiel mir der Einstieg in die Geschichte sehr leicht und so konnte ich dieser schnell folgen. 
An dieser Stelle muss ich bereits auf den Schreibstil hinweisen, welcher mir sofort positiv aufgefallen war und mir sehr gut gefällt. Dieser ist treffend, an die Jugend angepasst und an den richtigen Stellen voller Emotionen oder Sarkasmus oder was auch immer gerade passiert. Wortwahl ebenfalls erstklassik. Tatsächlich erinnert er mich etwas an die 'House of Night' Bücher von P.C. Cast und Kristin Cast (und deren Schreibstil liiebe ich!)

Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und ich muss ehrlich sagen, dass ich keine einzige Seite langweilig fand. Ständig passierte etwas, aber nicht zu viel, die Handlung wirkte also nicht überladen. Es bleibt durchweg interessant, man möchte immer mehr erfahren und die Charaktere sind echt super aufeinander abgestimmt. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, sind aber zum Glück nicht platt, sondern vielschichtig, weithin tiefgründig (bei manchen ist noch Potenzial) und die ein oder andere Figur - angefangen natürlich mit Alice, aber auch Grave - habe ich direkt beim Kennenlernen ins Herz geschlossen. (Ausgenommen den weißen König, ihn kann ich von Anfang an nicht ausstehen. Und dabei ist er so genial geschrieben, dass ich ihn nur umso mehr nicht leiden kann.)
Hier allerdings zu einem kleinen Kritikpunkt: Ich hätte gerne bereits in diesem Band alle Bauern kennengelernt, oder wenigstens die meisten und nicht nur einen kleinen Teil. Da muss ich mich wohl leider auf den zweiten Band gedulden müssen.

Die wohl beste Idee der Autorin war es, einen sprechenden, vor Sarkasmus triefenden Kater der Geschichte hinzuzufügen. Ich liebe Curse über alles und musste bei vielen Szenen schmunzeln, wenn nicht gar laut loslachen.

Mir hat wirklich (fast) das ganze Buch berauschend gut gefallen; von der ersten bis zur letzten Seite alles clever aufgebaut, glaubwürdig verfasst, lebendige Figuren, toller Handlungsort!
Nun aber zu dem "fast": Bei einer Szene bin ich immer noch am grübeln, denn Alice auflodernder, tiefer Hass gegenüber dem einen König bei ihrer ersten Begegnung kann ich nicht ganz verstehen. Abneigung, Zorn und "normalen" Hass verstehe ich angesichts der Situation voll und ganz, doch, ich zitiere, "heiß, lodernd und abgrundtief schwarz" sind in meinen Augen eine kleine Übertreibung. Das mag vielleicht meckern auf hohen Niveau sein, doch beim Lesen stolperte ich heftig über diesen Satz und konnte ihn einfach nicht richtig nachvollziehen. 

Während des Lesens hatte ich so einige Theorien bzgl. des Fluches, über seine Entstehung, wie man ihn brechen kann usw., doch das tatsächliche Ende des ersten Bandes hat mich überrascht. Aber ich finde dieses genial, so wird es deutlich interessanter und spannender im nächsten Band!
Wie bei vielen Büchern heutzutage gibt es auch hier einen Cliffhanger, den ich allerdings als relativ mild empfinde.. Auch wenn ich bereits gemerkt habe, dass die meisten Leser mir in diesem Punkt nicht zustimmen.. Hehe Ansichtssache halt.

Insgesamt entscheide ich mich für 4,5/5 Sterne!

Eines muss ich leider noch loswerden (fließt nicht in die Rezension mit ein):
Mein Exemplar ist die 1. Auflage 2020 und hier gibt es echt viele Grammatikfehler. Es fehlen Wörter, Satzschlusszeichen oder es stehen falsche Wörter da, wie z.B. "ich", doch da müsste meines Ermessens "nur" stehen, mit "ich" ergibt der Satz jedenfalls keinen Sinn. Das finde ich doch recht traurig, vor allem bei einem so großen Verlag. Klar kann ein Fehler mal unterlaufen, doch so häufig ist es mir lange nicht mehr passiert.