Übersetzt von Ulli und Herbert Günther
Ab 11 Jahren
384 Seiten
Hardcover
ISBN: 978-3-423-64062-6
Erschienen: 21.02.2020
Quelle: www.dtv.de
Tobble ist der treueste Freund, den man finden kann!
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt und lässt nach nur wenigen Seiten das Herz schwerer werden. Byx berichtet von ihrem Leben, dass es nur noch wenige der Dalkins, ihrer Art, gibt, versammelt in einem einzigen Rudel. Auch erzählt sie von ihrer Familie, dass sie das schwächste und kleinste ihrer Geschwister ist und wie sie still und heimlich von einem Ort zum Anderen ziehen, ängstlich, hungrig und ihrem Schicksal ergeben. Man fühlt richtig mit Byx mit und möchte sie unbedingt näher kennenlernen.
Das Buch ist in fünf Teile gegliedert mit jeweils kurzen Kapiteln und passenden Überschriften. In dieser Form fördert es meines Erachtens den Lesefluss und auch der Schreibstil ist leicht und verständlich gewählt und sehr flüssig zu lesen.
Der Leser wird in eine magische, ideenreiche Welt geführt, mit neuen Kulturen, Sprachen, fremden Tieren bzw. Arten. An dieser Stelle macht sich der Vorteil bemerkbar, dass die Autorin sich in erster Linie an Kinder richtet. Man wird nicht zugeschüttet mit komischen Namen, Seitenweise Erläuterungen etc. Es ist übersichtlich gehalten, bleibt aber dennoch interessant und fantasievoll und die Neugierde wird durch kleinere, zusammengefasste Erzählungen hier und da gestillt. Eine sehr gute Mischung, gefällt mir richtig gut!
Dementsprechend sind auch Unterhaltungen, Reden, Verhandlungen usw. nicht allumfassend, doch die Handlung an sich und die Beweggründe der Charaktere bleiben gut durchdacht und nachvollziehbar. Auch die Karte am Anfang/Ende des Buches war sehr hilfreich und ist schön gestaltet.
Die kleine Gruppe von Freunden ist wie so oft eine bunte Mischung aus den verschiedensten Charakterzügen und Arten und jeder Einzelne spielt seine Rolle sehr gut. Sie werden einem schnell sympathisch, man lacht und leidet mit ihnen mit, einfach, weil alle so überzeugend gut dargestellt sind.
Im Verlauf der Geschichte merkt man aber, dass es sich zwar um ein Kinderbuch handelt, es aber schwierige und tiefgründige Themen beinhaltet. Damit meine ich nicht nur die bewusste Auslöschung oder besser Vernichtung einer Art durch den Menschen, sondern auch Gewalt beinhaltende und leicht blutige Szenen. Ein Bsp. habe ich mal herausgesucht: "Sie haben ihn tagelang über einem schwelenden Feuer geröstet. Er schrie vor Schmerzen, bis sie ihm endlich den Kopf abschlugen." Ich denke, jedem 11-jährigen Kind kann man dieses Buch nicht in die Hand drücken.
Trotzdem ist der Autorin hier ein verdammt gutes Kinder-/Jugendbuch gelungen, mit viel Witz, Tiefgang, reichlich Fantasy und im Mittelpunkt die Freundschaft stehend.
Eine klare Empfehlung, auch für Erwachsene! 5/5 Sterne
Ab 14 Jahren (Quelle: www.thalia.de)
475 Seiten
Klappenbroschur
ISBN: 978-3-473-58567-0
Erschienen: 22.01.2020
Quelle: www.ravensburger.de
Menschen, die Figuren eines Schachspiels verkörpern? Zwei Schlösser, die ein tödliches Schach spielen, weil sie verflucht sind? Mega!
Dank zwei überzeugender und humorvollen Figuren, die verzweifelt eine Party irgendwo im Nirgendwo suchen, fiel mir der Einstieg in die Geschichte sehr leicht und so konnte ich dieser schnell folgen.
An dieser Stelle muss ich bereits auf den Schreibstil hinweisen, welcher mir sofort positiv aufgefallen war und mir sehr gut gefällt. Dieser ist treffend, an die Jugend angepasst und an den richtigen Stellen voller Emotionen oder Sarkasmus oder was auch immer gerade passiert. Wortwahl ebenfalls erstklassik. Tatsächlich erinnert er mich etwas an die 'House of Night' Bücher von P.C. Cast und Kristin Cast (und deren Schreibstil liiebe ich!)
Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf und ich muss ehrlich sagen, dass ich keine einzige Seite langweilig fand. Ständig passierte etwas, aber nicht zu viel, die Handlung wirkte also nicht überladen. Es bleibt durchweg interessant, man möchte immer mehr erfahren und die Charaktere sind echt super aufeinander abgestimmt. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein, sind aber zum Glück nicht platt, sondern vielschichtig, weithin tiefgründig (bei manchen ist noch Potenzial) und die ein oder andere Figur - angefangen natürlich mit Alice, aber auch Grave - habe ich direkt beim Kennenlernen ins Herz geschlossen. (Ausgenommen den weißen König, ihn kann ich von Anfang an nicht ausstehen. Und dabei ist er so genial geschrieben, dass ich ihn nur umso mehr nicht leiden kann.)
Hier allerdings zu einem kleinen Kritikpunkt: Ich hätte gerne bereits in diesem Band alle Bauern kennengelernt, oder wenigstens die meisten und nicht nur einen kleinen Teil. Da muss ich mich wohl leider auf den zweiten Band gedulden müssen.
Die wohl beste Idee der Autorin war es, einen sprechenden, vor Sarkasmus triefenden Kater der Geschichte hinzuzufügen. Ich liebe Curse über alles und musste bei vielen Szenen schmunzeln, wenn nicht gar laut loslachen.
Mir hat wirklich (fast) das ganze Buch berauschend gut gefallen; von der ersten bis zur letzten Seite alles clever aufgebaut, glaubwürdig verfasst, lebendige Figuren, toller Handlungsort!
Nun aber zu dem "fast": Bei einer Szene bin ich immer noch am grübeln, denn Alice auflodernder, tiefer Hass gegenüber dem einen König bei ihrer ersten Begegnung kann ich nicht ganz verstehen. Abneigung, Zorn und "normalen" Hass verstehe ich angesichts der Situation voll und ganz, doch, ich zitiere, "heiß, lodernd und abgrundtief schwarz" sind in meinen Augen eine kleine Übertreibung. Das mag vielleicht meckern auf hohen Niveau sein, doch beim Lesen stolperte ich heftig über diesen Satz und konnte ihn einfach nicht richtig nachvollziehen.
Während des Lesens hatte ich so einige Theorien bzgl. des Fluches, über seine Entstehung, wie man ihn brechen kann usw., doch das tatsächliche Ende des ersten Bandes hat mich überrascht. Aber ich finde dieses genial, so wird es deutlich interessanter und spannender im nächsten Band!
Wie bei vielen Büchern heutzutage gibt es auch hier einen Cliffhanger, den ich allerdings als relativ mild empfinde.. Auch wenn ich bereits gemerkt habe, dass die meisten Leser mir in diesem Punkt nicht zustimmen.. Hehe Ansichtssache halt.
Insgesamt entscheide ich mich für 4,5/5 Sterne!
Eines muss ich leider noch loswerden (fließt nicht in die Rezension mit ein):
Mein Exemplar ist die 1. Auflage 2020 und hier gibt es echt viele Grammatikfehler. Es fehlen Wörter, Satzschlusszeichen oder es stehen falsche Wörter da, wie z.B. "ich", doch da müsste meines Ermessens "nur" stehen, mit "ich" ergibt der Satz jedenfalls keinen Sinn. Das finde ich doch recht traurig, vor allem bei einem so großen Verlag. Klar kann ein Fehler mal unterlaufen, doch so häufig ist es mir lange nicht mehr passiert.
Übersetzt von Bernd Stratthaus
Ab 11 Jahren
310 Seiten
Hardcover
ISBN: 978-3-8458-3397-2
Erschienen: 23.08.2019
Quelle: www.arsedition.de
Eine großartige Geschichte über Freundschaft und Vertrauen in einem tollen Abenteuer verpackt - was wünscht man sich als Leser mehr?
Die Handlung spielt an zwei Orten, die nicht unterschiedlicher sein könnten. In unserer Welt begleiten wir Sirin und ihre kranke Mutter und in der anderen Welt die Geschwister Allie und Joss, letzterer schließt ein Band mit dem Silberdrachen Lysander.
Der Schreibstil ist einfach gewählt, leicht verständlich, was einen als Erwachsenen vielleicht etwas stören mag, weil man mehr Tiefgang erwartet. Man sollte hier jedoch die Zielgruppe (ab elf Jahre) beachten und ich persönlich konnte Kapitel für Kapitel flüssig, schnell und angenehm lesen.
Die Geschichte selber ist nicht unbedingt etwas Neues, es sagt mir jedoch in Kombination mit den Charakteren zu. Sehr gut gefällt mir, dass die Kinder nicht zu erwachsen agieren, sondern sich naiv und gutgläubig verhalten und für manches noch nicht so den "Weitblick" haben. Im Laufe der Zeit erkennt man aber eine kleine Weiterentwicklung der Figuren.
Nicht nur Freundschaft ist ein wichtiger Gegenstand, denn die Autorin arbeitet ebenfalls mit dem schwierigen Thema Verlust. Dieses trifft man auf mehreren Seiten in verschiedenen Formen an und es wurden passende Worte gefunden, die mich manchmal auch zum Nachdenken anregten. So konnte ich mich auch besser mit den Charakteren identifizieren, weil man mit ihnen mitfühlen und sie näher kennen lernen konnte.
Was ich allerdings nicht immer richtig nachvollziehen konnte war das Schließen eines Bundes zwischen Mensch und Reiter. Es ging mir immer etwas zu schnell.. Man wechselt ein paar Sätze und schon war man miteinander verbunden. Da viel es mir etwas schwer, dieser Verbundenheit auch wirklich zu glauben, selber daran zu glauben, weil Mensch und Drache sich noch völlig fremd sind...
Einzig fraglich sind die beschriebene Brutalität, Aggressivität sowie das Erwähnen von Menschenknochen, das Verschlingen von Menschen etc.. Ich hätte das mit elf Jahren lesen können, jedoch denke ich, dass das nicht auf jeden zutreffen wird.
Alles in allem hatte ich tolle Lesestunden und freue mich jetzt schon auf den nächsten Band! Nicht nur für Kinder, auch für manch Erwachsenen ein toller Auftakt, der mehr verspricht.
Ich vergebe 4,5/5 Sterne.
Wird nicht mit in die Bewertung einbezogen:
Wo ich ein wenig schmunzeln muss, ist, dass die Geschichte von einem silbernen Drachen handelt, heißt auch so, aber auf dem Cover ist ein blauer..
Ab 14 Jahre
584 Seiten
Gebunden im Schutzumschlag
ISBN: 978-3-407-75462-2
Erschienen: 11.07.2019
Quelle: www.beltz.de
Die Handlung spielt im 18. Jahrhundert in Sibirien, Russland und beschäftigt sich mit der jungen Vida, welche in der Zukunft über Gut und Böse entscheiden soll.
Mir fiel es leicht, in die Geschichte einzutauchen, weil es am Anfang eine überschaubare Anzahl an Namen gibt und der Erzähler lange Erklärungen und Hintergrundgeschichten zunächst umgeht und den Leser direkt in die Geschichte hineinzieht. Erst während Vidas Unterricht erhält man sämtliche Informationen über ihre Welt, deren Entstehung und aktuellen Situation, wobei diese Erzählungen manchmal doch ein wenig ermüdend wurden. Zum Einen, weil sie ein wenig zu langatmig waren, zum Anderen, weil zu viele Erläuterungen und Ausschweifungen aufeinander folgten.
Abwechslung gab es in Form von verschiedenen Blickwinkeln, da der Leser sich bspw. auch auf die Spuren eines Bären begibt.
Dank des angenehmen Schreibstils kommt man schnell voran und die Distanz des Erzählers hat mir sehr gut gefallen! Es passt nicht nur gut zum Buch, es verleiht der Handlung Glaubwürdigkeit und Originalität.
Leider ändert das nichts daran, dass ich der Geschichte wie durch ein Fernrohr hindurchsehend folgte. Die Charaktere sind grundlegend gut dargestellt, keine Frage, doch sich mit wenigstens einem zu identifizieren war nicht möglich. Bspw. erfährt der Leser so wenig über Solomon und die Tanten, dass ich denke, die Figuren hätten uns deutlich näher gebracht werden müssen. Zudem hatte ich Schwierigkeiten mit Vida und dem anderen Kind, die sich trotz ihres jungen Alters stellenweise unglaublich erwachsen verhielten und insbesondere wie solche gedacht und gesprochen haben. Ebenso fehlte es mir an einer glaubhaften Begründung für Vidas Motive und Ziele.
Positiv auffallend waren die vielen teils offensichtlichen, teils versteckten Botschaften und Lehren an den Leser, so z.B. "Alles ist möglich, wenn ich es möglich mache."
Unterhaltsam waren auch die Überschriften der Kapitel, sowie die Gliederung und die Länge. Manche waren nur eine Seite lang, andere hingegen 20. Das verdrängt Eintönigkeit und schafft Interesse.
Leider fehlte es mir auch an einem richtigen Höhepunkt. Die Handlung geht bergauf, bergab, aber richtig steil wurde es nie, selbst am Ende nicht. Man könnte schon fast sagen, die Handlung plätscherte vor sich hin, aber nur fast! Ein wenig Action und Spannung sind enthalten. Nicht alles war vorhersehbar, doch das Ende fällt als Überraschung weg, weil der Leser es auf den ersten Seiten bereits erfährt. Was ich aber gar nicht so schlecht finde, denn meine Neugierde wurde dadurch nur größer.
Bei mir sprang der Funke nicht über, ich muss aber trotzdem sagen, dass es eine nette Geschichte mit einer mega guten Grundidee von Anfang bis Ende ist! Nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene von Interesse.
Alles in allem vergebe ich 3 von 5 Sterne.
Aus dem Schwedischen von Kerstin Schöps
352 Seiten
Paperpack
ISBN: 978-3-442-20578-3
Erscheinungsdatum: 22.07.2019
Quelle: www.randomhouse.de/
Die Leseprobe versprach mir spannende Lesestunden - und das Buch hat das Versprechen gehalten!
Im Vergleich zu vielen anderen Büchern gibt es hier nur wenige Charaktere, auf denen die Autorin ihren Fokus gelegt hat und das war keineswegs eine schlechte Entscheidung mit Langeweile als Folge. Ganz im Gegenteil, so konnten die bereits gut herausgearbeiteten Charaktere dem Leser noch näher gebracht werden - insbesondere natürlich Lelle und Meja. Vor allem Lelle's Verzweiflung, Sehnsucht und Ängste sind so glaubwürdig dargestellt, dass ich manchmal dachte, sie springen gleich aus dem Buch heraus auf mich zu.
Richtige "Action" und rasante Handlungen begegnen einem kaum - doch das gefällt mir umso besser. Stattdessen gibt es eine Art ruhige Spannung, wie als ob etwas hinter jeder Seite lauern würde, sich aber beim umblättern immer wieder versteckt. Ich empfand keine einzige Szene als langatmig, selbst die beschriebenen Alltagssituationen hatten eine bestimmte, treffende Atmosphäre.
Dazu kommt der flüssige und klare Schreibstil, der einen das Buch in wenigen Stunden durchlesen lässt.
Das Einzige, dass ich zu bemängeln habe, ist der Handlungsgrund der Figur, die für das Ende verantwortlich ist (mehr verrate ich nicht, keine Sorge). In meinen Augen hätte diese Person dem Leser viiiieel näher gebracht werden müssen, damit man das "Warum?" zu genau diesem Zeitpunkt besser nachvollziehen kann. Allgemein fehlt mir auf den letzten Seiten bzw. beim Höhepunkt des Romans noch das i-Tüpfelchen.
Zusammenfassend gesehen ließ sich das Ende relativ leicht herausfinden, dennoch hat es mir richtig gut gefallen, Lelle und Meja zu begleiten und dabei in die Gefühlswelt und Abgründe der Menschheit zu schauen.
Ich vergebe 4 von 5 Sterne!